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09. Oktober 2025

Agilität und Compliance in der Datensicherheit in Einklang bringen: Wie europäische Unternehmen Innovation unter verschärften Vorschriften managen

Agilität und Compliance in der Datensicherheit in Einklang bringen: Wie europäische Unternehmen Innovation unter verschärften Vorschriften managen

Können Unternehmen bei der Einführung von KI- und Datenplattformen agil bleiben und gleichzeitig die strengsten EU-Vorschriften einhalten?

Diese Frage zog sich wie ein roter Faden durch Tech Show Frankfurt , auf der führende Datenexperten aus der DACH-Region über eines der derzeit schwierigsten strategischen Dilemmata diskutierten: Wie lässt sich Innovation zügig vorantreiben, ohne die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften zu gefährden?

Mit der DSGVO, dem bevorstehenden KI-Gesetz und den wachsenden Forderungen nach Datenhoheit setzt das europäische Regulierungsumfeld weltweit Maßstäbe für den ethischen Umgang mit Daten. Doch während es das Vertrauen stärkt, kann es gleichzeitig den digitalen Fortschritt verlangsamen. Ein Diskussionsteilnehmer der Deutschen Bank fasste dies wie folgt zusammen:

„Weltweit gibt es zu viele Daten, doch deren Löschung ist aufgrund der widersprüchlichen Anforderungen von Aufsichtsbehörden, im Hinblick auf die Geschäftskontinuität und seitens der Kunden nahezu unmöglich. Wir brauchen Governance, aber wir brauchen auch Schnelligkeit.“

Das Compliance-Paradoxon

Europäische Unternehmen sehen sich mit einem Phänomen konfrontiert, das viele als „Compliance-Paradoxon“ bezeichnen: Je strenger die Vorschriften, desto schwieriger wird es, innovativ zu sein. Doch ohne die Einhaltung der Vorschriften lässt sich Innovation nicht nachhaltig ausbauen. Einerseits müssen Unternehmen ihren Teams schnellen Zugriff auf genaue, verwertbare Daten für KI und Analytik gewähren. Andererseits müssen sie Anforderungen hinsichtlich Datenschutz, Datenspeicherort und Erklärbarkeit erfüllen, die genau vorschreiben, wie mit diesen Daten umgegangen werden darf.

Ein manager der EZB manager :

„Selbst innerhalb Europas sehen wir uns mit unterschiedlichen Auslegungen derselben Vorschriften konfrontiert. Ein in Deutschland zugelassener Cloud-Dienst würde in Frankreich möglicherweise nicht zugelassen werden. Die Harmonisierung ist nach wie vor ein Ziel, aber noch keine Realität.“

Für multinationale Unternehmen, die in mehreren Rechtsräumen tätig sind, wird die Einhaltung der Vorschriften aufgrund dieses Flickenteppichs an Regelungen häufig zu einem Engpass für die digitale Transformation.

 

Die Datenhoheit wird zur Grundlage

In Frankfurt war die Datenhoheit ein immer wiederkehrendes Thema in den Vorträgen zu den Themen KI, Cloud und Analytik. Sie hat sich von einem rechtlichen Anliegen zu einer strategischen Säule der Unternehmensführung entwickelt.

Dr. Carsten Bange, Geschäftsführer von BARC, bezeichnete dies als „das derzeit aktuellste Thema im europäischen Datenmanagement“. Angesichts der zunehmenden Abhängigkeit von Hyperscalern und steigender geopolitischer Risiken überdenken Unternehmen derzeit, wo ihre Daten gespeichert sind und wer die Kontrolle darüber hat.

Dieser Wandel treibt die Entwicklung hin zu Hybrid- und Sovereign-Clouds voran, wodurch Unternehmen ein Gleichgewicht zwischen Leistung und Compliance herstellen können. Wie ein Redner feststellte: „Früher haben wir gefragt: ‚Wo lässt sich diese Arbeitslast am günstigsten und schnellsten ausführen?‘ Heute lautet die Frage: ‚Wo können wir sie sicher ausführen, ohne gegen lokale Gesetze zu verstoßen oder die Kontrolle zu verlieren?‘“

Bei der Souveränität geht es nicht nur um Server. Es geht um Vertrauen – darum, sicherzustellen, dass Kunden, Aufsichtsbehörden und Partner wissen, dass Daten während ihres gesamten Lebenszyklus geschützt und nachvollziehbar sind.

 

Die betrieblichen Reibungsverluste

Strengere Compliance-Vorgaben bringen neue betriebliche Herausforderungen mit sich:

  • Zersplitterte Steuerung – Verschiedene Teams und Systeme wenden unterschiedliche Regeln an, was zu Unstimmigkeiten führt und die Genehmigungsverfahren verlangsamt.
  • Eingeschränkter Zugang – Übermäßig strenge Kontrollmaßnahmen schränken den Zugang zu Daten ein, die Innovationen vorantreiben könnten.
  • Grenzüberschreitende Komplexität – Der Datentransfer zwischen EU-Mitgliedstaaten kann zusätzliche rechtliche Prüfungen sowie Fragen zum Wohnsitz aufwerfen.

Diese Hürden führen häufig zu Reibungen zwischen Compliance-Teams und Innovatoren. Ein CIO drückte es so aus: „Jedes neue Modell, das wir entwickeln, muss zehn Kontrollpunkte durchlaufen. Das ist sicher, aber es geht nur langsam voran.“

 

Compliance als Impulsgeber, nicht als Hemmnis

Trotz der Frustration zeichnet sich eine neue Denkweise ab: Compliance als Motor für Innovation.

Florian Maus von IBM erklärte den Teilnehmern: „Compliance sollte kein nachträglicher Einfall sein. Sie ist ein Gestaltungsprinzip. Das Ziel besteht darin, Vertrauen in die Architektur zu integrieren, sodass die Governance automatisch erfolgt.“

Moderne Datenplattformen nutzen heute Automatisierung, Metadaten und KI, um die Einhaltung von Vorschriften nahtlos zu gewährleisten, die Datenherkunft nachzuverfolgen, Risiken zu kennzeichnen und Richtlinien in Echtzeit durchzusetzen. Das Ergebnis: weniger manuelle Prüfungen, schnellere Freigaben und mehr Vertrauen darin, dass Innovationen nachvollziehbar bleiben.

 

Die menschliche Kontrolle bleibt unverzichtbar

Technologie kann die Einhaltung von Vorschriften vereinfachen, kann jedoch die menschliche Verantwortung nicht ersetzen. Das bevorstehende EU-KI-Gesetz unterstreicht dies und schreibt für KI-Modelle mit hohem Risiko Dokumentation, Erklärbarkeit und Aufsicht vor.

Ein Rechtsberater eines weltweit tätigen Automobilkonzerns bemerkte: „Das KI-Gesetz bremst die Innovation nicht, sondern stellt sicher, dass wir sie verteidigen können. Wenn Sie nicht erklären können, wie Ihr Modell Entscheidungen trifft, haben Sie das Risiko nicht im Griff.“

Branchenübergreifend sind Transparenz und Nachvollziehbarkeit mittlerweile ebenso wichtig wie die Leistungsfähigkeit. Datenethik und rechtliche Rahmenbedingungen sind zu Themen auf Vorstandsebene geworden.

 

Wie sich führende Unternehmen anpassen

Auf Tech Show Frankfurt wurden verschiedene Strategien vorgestellt, wie sich Agilität und Compliance in Einklang bringen lassen:

  • Compliance by Design – Integrieren Sie regulatorische und datenschutzrechtliche Anforderungen von Anfang an in Ihre Projekte.
  • Dezentrale Steuerung – Gewährleistung der Autonomie der Geschäftsbereiche innerhalb eines einheitlichen Compliance-Rahmens.
  • Automatisierung von Metadaten – Nutzen Sie KI-gestützte Kataloge und Prüfpfade, um die Berichterstellung zu vereinfachen.
  • Partnerschaften mit Aufsichtsbehörden – Arbeiten Sie mit Aufsichtsbehörden in Sandbox-Umgebungen zusammen, um die Einhaltung der Vorschriften frühzeitig zu prüfen.
  • Funktionsübergreifende Teamarbeit – Fördern Sie eine engere Zusammenarbeit zwischen den Teams aus den Bereichen Daten, Recht und Sicherheit.

Diese Ansätze zeigen, dass Governance nicht auf Kosten der Agilität gehen muss, sondern mit ihr koexistieren kann.

 

Europas Wettbewerbsvorteil

Obwohl die europäischen Vorschriften streng sind, sahen viele Redner darin eher eine strategische Chance als einen Nachteil.

In ihrer Keynote zum Thema „Digitale Transformation“ forderte Dr. Miriam Meckel einen „neuen Gesellschaftsvertrag für die Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI“, der auf Vertrauen und Transparenz beruht. Dasselbe Prinzip gilt auch für die Datenverwaltung.

Indem sie weltweit eine Vorreiterrolle bei verantwortungsbewusster Innovation einnehmen, können Unternehmen aus der DACH-Region regulatorische Vorgaben in einen Reputationsvorteil umwandeln und damit beweisen, dass Compliance und Wettbewerbsfähigkeit Hand in Hand gehen können.

 

Die zentrale Frage für Vorstände

In der heutigen digitalen Wirtschaft sind Agilität und Compliance keine Gegensätze – sie sind Partner auf dem Weg zum Fortschritt.

Während Unternehmen darum wetteifern, KI- und Datenplattformen der nächsten Generation einzuführen, stellt sich für jedes europäische Unternehmen eine Frage:

Ist Ihr Unternehmen in der Lage, zügig Innovationen voranzutreiben, ohne das Vertrauen zu gefährden, das durch die Regulierung geschützt werden soll?

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