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Geopolitik trifft Cybersicherheit: Warum jedes Unternehmen jetzt an vorderster Front steht
Wenn Geopolitik digital wird
Bewaffnete Konflikte und internationale Spannungen gehen fast immer mit Wellen von Cyberaktivitäten einher. Hacktivisten-Gruppen können sich innerhalb weniger Stunden mobilisieren und grenzüberschreitende Allianzen bilden. Ihre Ziele beschränken sich nicht auf Regierungen oder Streitkräfte. Auch Krankenhäuser, Finanzdienstleister und Logistikunternehmen, die oft weit entfernt von den Krisenherden liegen, sind bereits ins Visier geraten.
Wie Westpfahl feststellte: „Es geht nicht mehr nur um die direkten Konfliktparteien. Die Aktivitäten weiten sich auf deren Verbündete und Partner aus. Kritische Infrastruktur, das Gesundheitswesen und der Finanzsektor können alle betroffen sein, auch wenn sie physisch nicht Teil des Konflikts sind.“
Die Botschaft an die Führungsetagen ist klar: Keine Organisation ist eine Insel.
Kollateralschäden in der Lieferkette
Lieferketten gehören zu den am stärksten gefährdeten Schauplätzen. Hacktivisten müssen nicht unbedingt Regierungssysteme angreifen, um Störungen zu verursachen; es reicht aus, private Unternehmen zu kompromittieren, die den Warenfluss aufrechterhalten.
Im Jahr 2025 erfuhren die Teilnehmer, wie Krankenhäuser von Denial-of-Service-Angriffen getroffen wurden, Logistikunternehmen gehackt wurden, um Versanddaten offenzulegen, und Energienetze auslotet wurden, um Panik zu schüren und Druck auszuüben. Für Unternehmen sind Souveränität und Compliance nur ein Teil des Risikos. Jedes Unternehmen, das mit sensiblen Versorgungsströmen verbunden ist – seien es Lebensmittel, medizinische Güter oder Energie –, kann als Stellvertreter ins Visier genommen werden.
Alte Schwachstellen, neue Absichten
Die meisten dieser Kampagnen basierten nicht auf ausgeklügelten Exploits. Die Angreifer nutzten häufig bekannte Sicherheitslücken und Social Engineering. Aus einer gemeinsamen Warnmeldung ging hervor, dass bereits seit Jahren bekannte CVEs ausgenutzt wurden, um in Transport- und Logistikunternehmen einzudringen.
Westpfahl fasste es so zusammen: „Das war keine Zauberei. Es handelte sich um alte CVEs, per Brute-Force geknackte Passwörter und Phishing-E-Mails. Der Unterschied liegt in der Absicht: das Sammeln von Informationen, um in großem Maßstab Störungen zu verursachen.“
Für Vorstände ist die Lehre daraus klar: Widerstandsfähigkeit hängt davon ab, dass grundlegende Maßnahmen konsequent umgesetzt werden.
Vom IT-Problem auf die Tagesordnung der Vorstandssitzung
Die Veranstaltungen in Frankfurt machten deutlich, dass Cybersicherheit nicht länger als isolierte IT-Funktion betrachtet werden kann:
- Die Geschäftskontinuität steht auf dem Spiel. Ein Ransomware-Angriff auf einen Logistikpartner kann zu Lieferausfällen führen und Strafen nach sich ziehen.
- Das regulatorische Risiko nimmt zu. Gemäß NIS2 sind die Vorstände direkt für die Widerstandsfähigkeit verantwortlich.
- Das Reputationsrisiko ist unmittelbar. Kunden und Investoren erwarten, dass geopolitische Risiken berücksichtigt werden.
Ein CISO drückte es so aus: „Bei der Widerstandsfähigkeit geht es nicht nur um die eigenen Abwehrmaßnahmen, sondern auch um das schwächste Glied in Ihrer Lieferkette. Wenn Ihr Partner ausfällt, wissen Sie dann, wie Sie morgen weiterarbeiten werden?“
Was Führungskräfte jetzt tun sollten
Die Botschaft aus Frankfurt lautet nicht Verzweiflung, sondern Vorsorge. Zu den konkreten Maßnahmen gehören:
- Erfassen Sie geopolitische Risiken – Ermitteln Sie die am stärksten gefährdeten Lieferanten oder Tochtergesellschaften.
- Stärkung der Sicherheit in der Lieferkette – Integration von Cyber-Due-Diligence-Maßnahmen in den Beschaffungsprozess und Austausch von Bedrohungsindikatoren mit Partnern.
- Testen Sie, statt anzunehmen – Führen Sie anbieterübergreifende Simulationen durch und überprüfen Sie die Wiederherstellbarkeit der Backups.
- Machen Sie Cybersicherheit zu einem strategischen Thema – informieren Sie die Vorstände regelmäßig und passen Sie Ihre Sicherheitslage an die geopolitischen Risiken an.
Die große Frage für die Vorstände
Mit den Worten von Westpfahl: „Es geht nicht darum, ob etwas passiert, sondern wann etwas passiert.“
Angesichts der zunehmenden Zahl geopolitischer Krisen wird sich das Schlachtfeld stets auch auf den Cyberspace ausweiten. Die Frage, die sich für jede Organisation – von Krankenhäusern bis hin zu produzierenden Unternehmen – stellt, ist dieselbe:
Sollte sich der Konflikt morgen digital auf Ihre Branche ausweiten, würde Ihre Organisation diesen Störungen standhalten?
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